Inhaltsverzeichnis
Werteerziehung im Deutschunterricht
(Wolfgang Schmitz)
Sprachethik
Die manipulative Kraft der Sprache (Barbara Stewens)
- Abstract
Sprachreflexion ist eine zentrale Aufgabe des Deutschunterrichts, da Sprachkompetenz auch auf der Fähigkeit beruht, zur Sprache und zum eigenen Sprachhandeln so viel Distanz zu gewinnen, dass ein bewusster und kritischer Sprachgebrauch möglich wird. Dabei spielt die Auseinandersetzung mit Herkunft und Bedeutung von Wörtern eine wichtige Rolle. Welche Konsequenzen können dabei gewonnene Einsichten für unser Sprachhandeln haben? Wie sieht es z. B. mit der Verwendung von Wörtern aus, deren Bedeutung unter moralisch bedenklichen Bedingungen entstanden ist? Kann man, soll man, darf man solche Wörter verbieten und neue vorschreiben?
Selbstbewusstsein und Zivilcourage
Auseinandersetzung mit dem Thema »Mobbing« (Stephan Gora)
- Abstract
In diesem Beitrag wird gezeigt, wie Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse durch einfache Arbeitstexte für das Thema »Mobbing« sensibilisiert und zu einem respektvollen Umgang miteinander angehalten werden. Schüler setzen sich gedanklich und produktiv mit den Begriffen »Außenseiter«, »Selbstbewusstsein« und »Zivilcourage« sowie »Streber« auseinander. Über den zentralen Begriff »Fairness« werden Einsichten geweckt und Verhaltensweisen angeregt, die dazu beitragen, Mobbing nicht entstehen zu lassen oder gegebenenfalls zu unterbinden. Die einzelnen Anregungen können von Klasse 5 bis 11 neben dem Deutschunterricht auch in anderen Fächern (Ethik, Religion, Gemeinschaftskunde usw.) eingesetzt werden.
Wa(h)re Werte
Vom Nutzen der Werbung für die Werteerziehung (Sabine Anselm)
- Abstract
Wenn von schulischer Werteerziehung die Rede ist, kann es nicht bloß um Wertevermittlung gehen, sondern auch darum, eine Wertereflexionskompetenz zu bilden. Ausgehend von Beispielen aus dem Bereich der Werbung – hier werden die gesellschaftlich aktuellen Werte in anschaulicher Form sichtbar – sollen die Bedingungen und Möglichkeiten der Werteerziehung im Deutschunterricht reflektiert werden.
Kurzfilm als Lyrikinterpretation
Medienkompetenz und Leseförderung (2. Teil) (Helmut Otten)
- Abstract
Standen im ersten Teil des Beitrags (siehe Heft 1/2007) konzeptionell-methodische Aspekte der Leseförderung und Medienkompetenz im Vordergrund, so geht es im nun Folgenden um die unterrichtliche Umsetzung. Thematisiert werden insbesondere die filmische Adaption der lyrischen Vorlage sowie Fragen der Drehbucherstellung.
Apokalyptische Landschaften
Krieg in Gedichten und Bildern des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit (Alfred Czech)
- Abstract
Dieser Artikel setzt die Reihe »Kunst und Literatur« mit einem Beitrag zum Expressionismus fort. Doch folgen wir nicht den bekannten Gegenüberstellungen von expressionistischer Lyrik und farbenfrohen Gemälden der »Brücke« und des »Blauen Reiters«. Stattdessen beleuchten wir die dunkle Seite des Expressionismus, seine Untergangsvisionen und Kriegsbeschwörungen, am Beispiel von Gedichten, Prosatexten und Bildern von Georg Heym, August Stramm, Erich Maria Remarque sowie Franz Marc und Otto Dix. Im Vorspann skizzieren wir die engen Zusammenhänge von Literatur und bildender Kunst im Expressionismus allgemein.
»Du musst dein Leben ändern«
Können Gedichte ethisch erziehen? (Sandra Krump)
- Abstract
Die Öffentlichkeit und die öffentlich geführten Diskussionen haben einige Themen wiederentdeckt, die man eigentlich schon für erledigt hielt: Religion, Bildung, Wertevermittlung. Neben den Fächern Religionslehre und Ethik ist der Deutschunterricht das Fach, das aufgrund seiner Spezifik am meisten für die Wertevermittlung geeignet erscheint – und auch in seiner Geschichte am gründlichsten negative Erfahrungen damit gesammelt hat. Können im Deutschunterricht Werte vermittelt werden – ohne dass man dabei in die Indoktrination abgleitet? Anhand einiger Lyrik-Module soll hier ein Versuch unternommen werden.
»Die Menschen besser und verständiger machen«
Adalbert Stifter als Pädagoge (Helmut Hammerschmid)
- Abstract
Der Beitrag lädt zur Begegnung mit den reformpädagogischen Ansichten Adalbert Stifters (1805– 1868) ein. Anhand von Ausschnitten aus den Erzählungen »Der Waldbrunnen« und »Katzensilber« wird deren Modernität erhellt. Methodisch vielfältig setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Textvorlagen auseinander und werden dabei angeregt, über das Wesen der Freundschaft und zeitgemäße Erziehungsgrundsätze nachzudenken. Dem dient auch die Reflexion über den die Einheit abschließenden Dialog zweier heutiger Schüler zu diesen Themen.
Nichtsnutz und Taugenichts?
Vom »Wert« der Arbeit (Annemarie Niklas)
- Abstract
Obwohl Schule ins Berufsleben führen will, wird die Frage nach dem Wert »Arbeit« kaum thematisiert. Dabei ist das Thema für die Schülerinnen und Schüler von unmittelbarer Bedeutung, trägt es doch wesentlich zur Entwicklung der eigenen Identität bei. Zudem bieten literarische Vorlagen einen Einblick in die Historizität des heutigen Arbeitsverständnisses. Gerade im Gegenentwurf eines »Taugenichts«, eines »Nichtsnutz«, kann Literaturunterricht als Möglichkeit fiktionalen Erprobens von Rollen in einem wörtlichen Sinne eine spielerische Auseinandersetzung mit der Thematik eröffnen. Aktuelles und Historisches, Lied und Text, Rollenspiel, Collage und das Verfassen von eigenen Songtexten ermöglichen einen direkten Bezug zum Leben der Jugendlichen, der gleichzeitig den Blick öffnet für die Bedingtheiten eigener Vorstellung und Wünsche, aber auch Ängste und Sorgen ernst nimmt.
»Mein Herz, mein Herz ist traurig«
Ethische und ästhetische Implikationen szenischer Interpretation (Klaus H. Kiefer)
- Abstract
Handlungs- und produktionsorientierte Methoden beim Umgang mit literarischen Texten haben sich im Deutschunterricht seit den 1990er Jahren einen festen Platz erobert. Dabei spielt die szenische Interpretation eine zunehmend wichtige Rolle. Aufbauend auf Erfahrungen aus der Lehreraus- und -fortbildung wird diese Methode am Beispiel des 1823 entstandenen Gedichts von Heinrich Heine »Mein Herz, mein Herz ist traurig« demonstriert und mit Blick auf ihre ethischen und ästhetischen Implikationen einer grundlegenden Reflexion unterzogen.
Schulverweigerung
Das Phänomen und die Schule (Manfred Bönsch)
- Abstract
Das Thema »Schulverweigerung« ist lange Zeit im Windschatten der öffentlichen Diskussion geblieben. Jeder an der Schule Interessierte weiß, dass dieses Phänomen existiert. Es ist jedoch schwer, verlässliche Zahlen zu erhalten. Zugespitzt ausgedrückt: Das Thema wird verdrängt, auf kleiner Flamme gehalten, vielleicht deshalb, weil es eine Brüskierung der Schule darstellt, wenn ihr gut gemeintes Angebot nicht angenommen wird. Und es gilt, dass die Schule nur langsam feststellt und reagiert, wenn Schulschwänzen oder Schulverweigerung von eigenen Schüler/innen praktiziert wird. Vielleicht ist dies mit einer gewissen Entlastung des Alltages zu erklären, wenn schwierige und problembeladene Schüler/innen fehlen.
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